Über MentiS
MentiS verstehen
MentiS stärkt Lehrkräfte darin, herausfordernde pädagogische Situationen gemeinsam zu verstehen, professionell zu beraten und inklusive Bildung nachhaltig zu gestalten.
Die Idee hinter MentiS
Lehrkräfte begegnen im schulischen Alltag immer wieder Situationen, die nicht unmittelbar aufzulösen sind. Besonders in inklusiven Kontexten, aber keineswegs nur dort, entstehen Herausforderungen, die fachlich, emotional und organisatorisch anspruchsvoll sind. Sie zeigen sich in Beziehungen zu einzelnen Schüler*innen, in Dynamiken von Klassen, in der Zusammenarbeit mit Familien, in Kollegien und in schulischen Strukturen.
Solche Situationen fordern Lehrkräfte nicht nur als Einzelne heraus. Sie verweisen häufig auf komplexe Wechselwirkungen zwischen individuellen Lebenslagen, pädagogischen Erwartungen, institutionellen Rahmenbedingungen und den Möglichkeiten schulischer Unterstützung. Gerade deshalb liegt in der kollegialen Reflexion ein besonderes Potenzial: Sie eröffnet neue Perspektiven, entlastet Einzelne und macht unterschiedliche professionelle Erfahrungen für die gemeinsame Suche nach tragfähigen Handlungsmöglichkeiten nutzbar.
MentiS verbindet Fallverstehen, Beratung und Kooperation – damit Schulen herausfordernde pädagogische Situationen gemeinsam bearbeiten und tragfähige Unterstützungsstrukturen entwickeln können.
Lehrkräftefortbildung und Umsetzung vor Ort
MentiS verbindet eine wissenschaftlich fundierte Lehrkräftefortbildung mit der konkreten Umsetzung in benachbarten Schulen. Lehrkräfte mehrerer Schulen nehmen gemeinsam an einer Fortbildung teil, die an der Goethe-Universität Frankfurt in Kooperation mit der Didaktischen Werkstatt am Fachbereich Erziehungswissenschaften durchgeführt wird.
Im Zentrum stehen pädagogisches Fallverstehen, kollegiale Beratung und die professionelle Bearbeitung herausfordernder schulischer Situationen. Die Teilnehmenden arbeiten mit theoretischen Konzepten, reflektieren eigene Erfahrungen und entwickeln ein gemeinsames Verständnis für Beratung als schulische Unterstützungsstruktur.
Parallel zur Fortbildung werden die Inhalte in realen Beratungsprozessen vor Ort erprobt. Die teilnehmenden Lehrkräfte begleiten Kolleg*innen an ihren Schulen, bringen Fälle in die gemeinsame Reflexion ein und entwickeln Formen der Beratung, die zu den jeweiligen schulischen Kontexten passen.
So greifen theoretische Fundierung und praktische Erprobung ineinander: Wissenschaftliche Perspektiven werden auf konkrete Situationen bezogen, Erfahrungen aus der Praxis fließen in die Fortbildung zurück, und aus der Qualifizierung einzelner Lehrkräfte entsteht schrittweise eine tragfähige Beratungsstruktur im Schulverbund.
Fallverstehen statt Rezeptewissen
Im Mittelpunkt von MentiS steht das gemeinsame Fallverstehen. Damit ist eine professionelle Haltung gemeint, die pädagogische Situationen sorgfältig betrachtet, bevor Handlungsschritte entwickelt werden. Herausfordernde Situationen werden dabei nicht isoliert einzelnen Personen zugeschrieben, sondern in ihren Beziehungen, Erwartungen, Vorgeschichten und institutionellen Bedingungen verstanden.
Fallverstehen bedeutet, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen: die Sicht der Lehrkraft, die Erfahrungen der Schülerinnen, die Dynamik der Klasse, familiäre Hintergründe, schulische Rahmenbedingungen und die Beobachtungen weiterer professioneller Akteurinnen. Im gemeinsamen Nachdenken können Deutungen entstehen, die im Alltag allein oft schwer zugänglich sind.
MentiS setzt auf Fallverstehen, weil pädagogisches Handeln in herausfordernden Situationen selten nach festen Rezepten funktioniert. Tragfähige Unterstützung entsteht, wenn die Besonderheit des jeweiligen Falls ernst genommen wird. Aus der gemeinsamen Reflexion ergeben sich Handlungsmöglichkeiten, die zur konkreten Situation, zu den beteiligten Personen und zu den Ressourcen der Schule passen.
So wird Beratung zu einer Form professioneller Zusammenarbeit: Sie stärkt Lehrkräfte darin, Situationen differenzierter zu verstehen, eigene Handlungsspielräume wahrzunehmen und nächste Schritte kollegial abzusichern.
Für wen ist MentiS?
MentiS richtet sich an Lehrkräfte, Förderlehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte, die in inklusiven schulischen Kontexten Verantwortung übernehmen und Kolleg*innen beratend begleiten möchten.
Besonders geeignet ist das Programm für Schulen, die multiprofessionelle Kooperation stärken und nachhaltige Unterstützungsstrukturen aufbauen wollen.
Was zeichnet MentiS aus?
MentiS verbindet wissenschaftlich fundierte Perspektiven mit konkreter Arbeit an Fällen aus der Praxis. Fortbildung und Mentoring greifen dabei ineinander: Die Teilnehmenden entwickeln ein professionelles Verständnis für pädagogische Krisen und erproben Formen kollegialer Beratung.
So wird aus individueller Qualifizierung eine schulübergreifende Unterstützungsstruktur.
